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    Erfahrungsbericht im Homeschooling eines Schülers aus München

    Unser Schüler Severin aus dem 2. Ausbildungsjahr hat uns seine Erfahrung während Corona geschildert. Gerne möchten wir Sie daran teilhaben lassen:

    Hallo Frau Gerber,

    zuerst einmal vielen Dank für Ihre E-Mail. Ich freue mich sehr darüber, dass und wie die Schule versucht den Kontakt zu uns zu halten.

    Sie fragen nach meinem Befinden. Puh. Ich werde Ihnen zuerst einmal ganz allgemein antworten was mir so einfällt und mich anschließend an Ihrem Fragenkatalog orientieren damit Sie sich ein bestmögliches Bild machen können.

    Ganz allgemein gesehen geht es mir gut. Ich bin gesund, habe etwas zu essen, eine Wohnung und eine tolle Frau mit Kind. Also im Großen möchte ich mich nicht beschweren und versuche positiv zu sein und zu denken.

    Corona hat uns alle eingeholt, den einen mehr den anderen weniger. Ich habe in meinem Außenpraktikum auf Geronto, welches zwischen dem letzten und diesem Schulblock getacktet war, die volle "Breitseite" bekommen. Alles begann damit, dass mein Ziehsohn am Samstag vor dem Praktikum die Hiobsbotschaft eines Erstkontaktes bekommen hat. Somit hat uns der Kinderarzt alle drei sofort in Quarantäne gesteckt und am Montag zum Testen bestellt. Nun ja, so begann also die lange Zeit des Wartens. Was macht man so in Quarantäne? Zuerst ein wenig organisieren, wer geht für uns einkaufen und vor allem was? Die ersten 24h waren voll mit solchen Fragen und organisatorischen Sachen und dann? Zu dritt in 2,5 Zimmern, okay zum Glück kein Urlaub und keine Ferien, der halbe Tag geht also mit der Schulbetreuung des Kindes drauf und meine Freundin macht zurzeit eh Homeoffice. Zum Glück habe ich meine Schulsachen auch bei ihr, so kann ich auch etwas tun. Aber irgendetwas war passiert in unserem Kopf. Wir waren plötzlich eingesperrt. Gab es irgendeine Möglichkeit dem zu entkommen? Darf ich meinen Müll rausbringen? Darf ich zum Briefkasten? Die ernüchternde Antwort heißt „nein“. Das Internet hat uns jegliche Hoffnung genommen. Womit gleich die nächste Frage im Raum stand; „Wo zur Hölle soll ich 14 Tage lang meinen Müll horten?“ Darauf hatten wir bis zum Schluss keine Antwort. Nun ja, man fängt an, sich in der Wohnung zu bewegen, ja Bodenturnen ist was Tolles. Egal, Hauptsache auspowern.

    So ging das dann bis Mittwochabend. Die Stimmung war ganz okay, eher etwas traurig und niedergeschlagen. Immer das Selbe. Schule/Arbeit, lesen, spielen, Serien, Bewegung so irgend möglich. (Nein ich werde mich nie wieder über einen Tiger wundern der im Käfig stupide auf und ab läuft. Wir haben es auch getan.) Wir warteten sehnsüchtig auf den erlösenden Anruf. Wie ist das Ergebnis? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir positiv sind? Eigentlich sehr hoch, doch keiner hat Symptome. Egal der Anruf kommt nicht. Der nächste Morgen ist dann etwas von genervter Stimmung geprägt. Viele Fragen: wie geht es weiter? Wie lange müssen wir noch warten?

    Eigentlich wünschen wir uns schon fast ein positives Ergebnis, dann ist der Spuk für uns vorbei und ich gefährde auch meine Umgebung nicht mehr. So unsere Gedanken zu dieser Zeit. 8:30 Uhr der erlösende Anruf, keiner von uns ist positiv. Unglaublich damit hatten wir nicht gerechnet. Der erste Weg war zum Bäcker und frische Semmeln. Nun ja die kleinen Dinge sind es. Der nächste Schritt für mich war meine „neue Arbeit“ anzurufen und die freudige Botschaft mitzuteilen. Meine PAL war total begeistert, dass ich sofort in die Arbeit kommen wollte, sie hatte ja keine Ahnung wie sehr ich mich nach neuen Mauern gesehnt habe und nach anderen Menschen. Ich wurde freudigst empfangen und das Team ist toll. Mit der WBL kann ich aus ein paar freien Tagen Diensttage machen, sodass mein Plan trotz dreier Krankheitstage aufgeht, bis zum nächsten Schulblock meine Stunden zusammen zu haben. Meine PAL kümmert sich fleißig und macht mit mir einen Plan wie wir den ausfallenden Praxisbesuch der Schule ersetzen, dies ist für mich eines der schlimmsten Dinge im Moment. Ich habe in Prüfungssituationen totale Aussetzer und mache unerklärliche Dinge. Jetzt fehlen mir diese Tage um genau dagegen zu steuern. Und ja, der Plan steht und wir haben den theoretischen/schriftlichen Teil auch geschafft. Am Ende der zweiten Woche dann abends ein Anruf der WBL. Ein Mitarbeiter der seit Montag erkrankt ist wurde positiv getestet! Ich hatte tatsächlich direkten Kontakt an meinem ersten Arbeitstag dort. Hätte es dümmer laufen können? Sofort wieder diese ganzen Fragen. Wie geht es jetzt weiter? Sind Bewohner betroffen? Usw. usw.

    Kurz mal rational denken, der letzte Kontakt mit dem Mitarbeiter und den Bewohnern war nun schon 6 Tage her. Bei mir sogar 8. Keiner hat Beschwerden und gerade bei den alten Menschen sollte doch etwas zu merken sein. Maßnahmen waren folgende: Es wurden alle Mitarbeiter mit Erstkontakt und alle Bewohner am nächsten Tag vom Gesundheitsamt getestet. Den Mitarbeitern wurde freigestellt bis zur Bekanntgabe des Ergebnisses sich krankschreiben zu lassen, oder wie geplant zu arbeiten. Zum Glück waren es nur 2 Mitarbeiter die daheim geblieben sind. (Allerdings fröhlich beim shoppen im Edeka von der PDL erwischt wurden.) Naja es gibt halt solche und solche. Die Station wurde abgeriegelt und komplett unter Quarantäne gesetzt. Ich habe meine freien Tage weiter gekürzt und habe gearbeitet wie ich es von früher von meinem privaten AG kannte. Ich wusste ja, es hat ein Ende wenn ich wieder zur Schule muss. Am ende waren alle negativ. Auch bei den zwei anschließenden Tests. Soviel mal zu meiner Zeit unter Corona.

    Ach ja alles begann ja an meinem 40. Geburtstag. Der Tag an dem die Ausgangsbeschränkung verkündet wurde. Nun ja, meinen 39. hatte ich im Krankenhaus verbracht. Was hätte schlimmeres sein können? Ja, man sieht keine Familie und keine Freunde. Eine neue Erfahrung in meinem Leben war dann die geplante Party am Wochenende. Wegen Corona eh schon auf 8 Leute reduziert… sollte das ganze jetzt wirklich komplett ausfallen? ... nein! Gegen 16:00 Uhr hatten wir die Schnapsidee, uns um 19:00 Uhr einfach online im Videochat zu treffen, gemeinsam zu ratschen und was zu trinken. Um 18:00 Uhr bekam ich plötzlich ganz viele liebe Videos auf meine Facebook Pinnwand... wieder so eine tolle Überraschung von meinen Freunden :) 19:00 Uhr Start. Es war für uns alle eine sehr neue Erfahrung und anfangs auch etwas seltsam. Da sieht man seine Freunde die 4 Etagen höher im selben Haus wohnen und kann sie doch nicht anfassen. Ende vom Lied um 1:00 Uhr nachts also nach 6 Stunden haben wir es überglücklich beendet.

     

    Bildnachweis: ©123rtf_lightfieldstudios

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