FAQ

Die Grenzen zwischen den Disziplinen Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpflege werden durchgängiger. Immer mehr Patient*innen mit Alterserkrankungen werden zeitweise in Kliniken betreut, Bewohner*innen in Pflegeeinrichtungen weisen immer differenziertere und komplexere Krankheitsbilder auf. Durch die vermittelten Kompetenzen können Sie diese zukünftigen Herausforderungen mitgestalten. Die neue Pflegeausbildung ermöglicht es Ihnen, in den verschiedenen Pflegebereichen zu arbeiten, sich breiter in der Pflege aufzustellen, Ihre Entscheidungskompetenz zu erhöhen und Ihre Aufstiegschancen zu verbessern.

Generalistik bedeutet also, dass ab dem Ausbildungsjahr 2020 die bisherigen Ausbildungsberufe in der Pflege (Krankenpflege, Altenpflege und Kinderkrankenpflege) zu einer einheitlichen Pflegeausbildung zusammengeführt werden. Die ersten beiden Jahre werden gemeinsam absolviert, im 3. Ausbildungsjahr haben die Schüler*innen die Möglichkeit sich auf Wunsch für die beiden Spezialisierungswege „Altenpflege“ oder „Kinderkrankenpflege“ zu entscheiden und dort ihren Abschluss zu machen.

Umfassende Übergans- und Bestandsschutzregelungen für Schulen und Pflegelehrkräfte/Schulleitung sind vorgesehen.

Alle pflegeberuflichen Ausbildungen, die noch 2019 beginnen, können und werden nach altem Recht (Altenpflegegesetz oder dem Krankenpflegegesetz) abgeschlossen und werden auch die hergebrachten Abschlussbezeichnungen verwenden. Sie sind den Pflegefachkräften, die nach dem PflBG ausgebildet werden, (für alle Tätigkeiten in der Altenpflege) gleichgestellt.

Nur der Abschluss der generalistischen Ausbildung (Abschluss Pflegefachfrau*mann) ist EU-weit anerkannt. Da es in fast allen anderen EU-Ländern weder die eigenständige Ausbildung in der Altenpflege, noch in der Kinderkrankenpflege gibt, kann auch hier keine Anerkennung erfolgen.

Die Finanzierung wird geregelt über das Pflegeberufegesetz. Für die Auszubildenden ist neu, dass mit der generalistischen Ausbildung kein Schulgeld mehr entrichtet werden muss, auch nicht an Privatschulen. Und: ALLE Auszubildenden erhalten eine Ausbildungsvergütung. An der Pflegeausbildung werden alle bisherigen Kostenträger (Krankenhäuser, alle ambulanten, stationären, teilstationären Altenpflegeeinrichtungen sowie das Land und die Pflegeversicherung) beteiligt. Durch ein Umlageverfahren werden alle Einrichtungen in den umlagefinanzierten Ausgleichsfonds einbezahlen, gleich ob sie ausbilden oder nicht. Die neugegründete Pflegeausbildungsfonds Bayern GmbH wird den Ausgleichsfonds verwalten und die Einzahlungen und Ausgleichszuweisungen veranlassen.

Während die generalistische Ausbildung und der Schwerpunkt Kinderkranken- und Gesundheitspflege mit dem Kompetenzniveau 6 nach DQR (Deutscher Qualifikationsrahmen) abschließen, beenden die spezialisierten Wege Altenpflege mit dem Kompetenzniveau 4.

Während die generalistische Pflegeausbildung zur unmittelbaren Tätigkeit an zu pflegenden Menschen aller Altersstufen auf wissenschaftlicher Grundlage und Methodik befähigt, soll der neue Pflegestudiengang „Pflegefachmann*frau B.A.“ den Transfer zwischen Praxis und wissenschaftlichen Erkenntnissen schaffen und die Pflege dadurch fördern und voranbringen. Das Studium umfasst theoretische und praktische Lehrveranstaltungen an der Hochschule und Praxiseinsätze im Umfang von über 2.100 Stunden in Einrichtungen der ambulanten und stationären Akut- und Langzeitpflege. Das Studium ist generalistisch gestaltet und bietet keine Möglichkeit zur Spezialisierung. Zugangsvoraussetzungen bestimmen die landesrechtlichen Regelungen zum Hochschulzugang. Das Pflegestudium soll neue Karrieremöglichkeiten und Aufstiegschancen eröffnen.

Bis 2031 werden die Studiengänge nun in den Regelbetrieb der Hochschulen überführt. Hochschulen werden künftig ohne die Kooperation mit Berufsfachschulen ausbilden und mit Praxisbereichen direkt kooperieren. Die Einsatzorte müssen eine qualifizierte Praxisanleitung und Begleitung garantieren. Wie ist derzeit noch offen, etwa welche Anforderungen dann an die Praxisanleitung gestellt werden.

Mit dem Ausgleichsfonds sollen nun auch kleine Einrichtungen und ambulante Dienste an der Ausbildung beteiligt werden, die bis dato noch nicht ausgebildet haben. Der organisatorische Mehraufwand kann an die Pflegeschulen delegiert werden. Durch Kooperationen mit anderen Einrichtungen in einem Ausbildungsverbund können alle geforderten Praxiseinsätze der Auszubildenden gewährleistet werden.

In der Regel absolviert der Auszubildende mehr als die Hälfte seiner praktischen Ausbildung im Ausbildungsbetrieb. Der Rest wird in Einsätzen anderer Fachrichtungen abgegolten (siehe auch Ablauf der Ausbildung). Die Einsätze der Auszubildenden werden in Ausbildungsplänen abgebildet, um eine vollständige und planbare Ausbildung zu garantieren. Und zwar zu Beginn der Ausbildung. Sollte sich die*der Schüler*in entscheiden, im dritten Jahr einen anderen Weg einzuschlagen, muss das im Ausbildungsplan berücksichtigt werden. Der Ausbildungsplan ist Teil des Ausbildungsvertrages.

Neben dem Rahmenlehrplan, der derzeit von einer Fachkommission erarbeitet wird, soll es auch Rahmenausbildungspläne geben, die die Träger der praktischen Ausbildung unterstützen sollen.

Hilfe für Kooperationsvereinbarungen

Das Ministerium stellt seit längerem umfangreiche Informationen zur neuen Pflegeausbildung bereit. Unter www.pflegeausbildung.bayern.de finden Interessierte alles zur Ausbildung, Finanzierung und Karriere. Unter dem Link www.generalistik.bayern.de  stehen fachliche Informationen rund um die Einführung des neuen Pflegeberufegesetzes bereit. Nun stellt die Behörde unter diesem Link auch einen Musterkooperationsvertrag zur Verfügung. "Wir empfehlen den Pflegeschulen, Trägern und weiteren Einrichtungen der praktischen Ausbildung, Kooperationsvereinbarungen im Ausbildungsverbund zu schließen. Diese Vereinbarungen sollen die Zusammenarbeit erleichtern, den bürokratischen Aufwand verringern und Transparenz schaffen. Sinnvoll ist es auch, wenn die Pflegeschulen die Koordination der praktischen Ausbildung übernehmen. So können die Einsätze in Theorie und Praxis sinnvoll aufeinander abgestimmt werden, " betont Gesundheitsministerin Huml. Darüber hinaus wurde eine Datenbank aufgebaut, auf der alle Kontaktdaten aller Träger der praktischen Ausbildung und aller Pflegeschulen abrufbar sind.

Hat eine Praxisanleitung bisher schwerpunktmäßig Schüler*innen der eigenen Pflegerichtung angeleitet, muss sie nun auch nun auch die Ausbildungsinhalte der generalistischen Ausbildung berücksichtigen.

Hierzu wird der Stundenumfang der Weiterbildung zur*zum Praxisanleiter von derzeit 200 UE auf 300 UE ab 2020 erhöht.

Unsere Lehrgänge mit 300 UE in 2020 sind in München (07.01.2020), Fürth (29.09.2020) und Augsburg (12.10.2020).

Personen mit einer Weiterbildung, die die genannte Mindeststundenzahl nicht erreicht, können das Weiterbildungs-Curricula sowie mögliche weitere Qualifizierungsnachweise auf eine zumindest teilweise Anrechnungsmöglichkeit auf eine Weiterbildung gemäß § 92 ff AVPfleWoqG prüfen lassen.

Gute Nachrichten aus dem Ministerium:

In einem Infobrief informierte das  Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege im Oktober Pflegeschulen und Träger der praktischen Pflegeausbildung darüber, dass die Übergangsregelung zum Bestandsschutz für Praxisanleitungen für die generalistische Pflegeausbildung erweitert wurde.

Im Wesentlichen hat das StMGP folgendes entschieden:

  • Praxisanleiter*innen, die bis zum 31.12.2019 einen Abschluss nach der AVPfleWoqG (200 Stunden) erworben haben, haben Bestandsschutz.
  • Praxisanleiter*innen, die über eine vor dem 31.12.2019 abgeschlossene Weiterbildung im Umfang von mind. 120 Stunden verfügen, haben noch bis 31.12.2021 die Möglichkeit, eine Nachqualifizierung zu absolvieren, so dass sie ebenfalls auf einen Gesamtumfang von 200 Stunden kommen. Danach besitzen auch sie Bestandsschutz. Diese Verlängerung der Übergangsfrist um zwei Jahre ist neu.
  • Pflicht wird künftig eine jährliche berufspädagogische Fortbildung mit einem Umfang von 24 UE sein.

Aus Anlass der verlängerten Übergangsfrist haben wir zusätzliche Lehrgänge zur Nachqualifizierung von Praxisanleiter*innen im Umfang von 80 Stunden ins Programm genommen.

Start unserer Lehrgänge mit 80 Stunden ist in Aschaffenburg (22.04.2020), München (08.06.2020), Marktl (20.07.2020), Fürth (29.09.2020) und Augsburg (05.10.2020).
 

Welche zusätzlichen Inhalte vermittelt werden müssen, steht derzeit noch nicht fest („Die endgültige Regelung von Inhalt und Gliederung der Ausbildung erfolgt mit Erlass der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und das Bundesministerium für Gesundheit rechtzeitig vor Start der neuen Ausbildung“). Pflicht wird künftig eine jährliche berufspädagogische Fortbildung mit einem Umfang von 24 UE sein.

Gut zu wissen:

Für die Pflichteinsätze nach § 7 Abs. 2 PflBG kommen grundsätzlich auch gerontopsychiatrische Einrichtungen als Einsatzorte der praktischen Ausbildung in Frage. Unter gerontopsychiatrischen Einrichtungen werden u.a. Einrichtungen verstanden, die die Kriterien des § 15 Abs. 3 AVPfleWoqG für gerontopsychiatrische Wohnbereiche erfüllen. Dies bedeutet, dass in einer gerontopsychiatrischen Einrichtung oder Wohnbereich entsprechend dem Verhältnis von je einer gerontopsychiatrisch qualifizierten Fachkraft pro 20 Bewohner*innen, eingesetzt sein muss.

Das Pflegeberufegesetz gilt ab dem 1. Januar 2020. Theoretisch kann der erste Ausbildungsgang somit im Frühjahr 2020 beginnen. Damit die Schulen sich auf die Veränderung einstellen können, soll genug Zeit sein, um sich auf die neue Ausbildung einzustellen. Beim derzeitigen Stand ist zu vermuten, dass die meisten Pflegeschulen im September 2020 mit der neuen Ausbildung beginnen werden. So auch die HWA mit seinen 5 Pflegeschulen in ganz Bayern.

Wie bisher für die herkömmlichen Pflegeausbildungen wird auch die generalistische Pflegeausbildung über die Weiterbildungsförderung der Arbeitsagenturen und Jobcenter getragen. NEU ist, dass die vollständige (bis zu dreijährigen) Ausbildung die Regel wird.

Die generalistische Ausbildung dauert 3 Jahre in Vollzeit, bis zu 5 Jahre in Teilzeit. Die Ausbildung kann auf Antrag verkürzt werden, etwa wenn bereits eine Helferausbildung absolviert wurde. Offen ist derzeit noch, ob und wie es Pflegefachhelfer*innen (Altenpflege oder Krankenpflege) ermöglicht wird, in die dreijährige Ausbildung einzusteigen (ins zweite Ausbildungsjahr), wenn es die ursprünglichen Ausbildungsberufe nicht mehr gibt. Eine Möglichkeit wären Ausnahmegenehmigungen für Verkürzer, die in Bayern auf kultusministerieller Ebene derzeit noch geprüft werden. Die Pflegeausbildung kann in Teilzeit durchgeführt werden. Wir werden nach PflBG im SJ 2021/22 Verkürzungen/den Einstieg ins 2. Ausbildungsjahr anbieten.

NEU: Schüler*innen der derzeitigen APH-Ausbildung (1-jährige Ausbildung zum/zur Pflegefachhelfer*in Altenpflege mit Abschluss in 2020) können ein LETZTES Mal vor dem Start der generalistischen Ausbildung in das 2. Jahr der Altenpflegeausbildung einsteigen, um noch die dreijährige Altenpflegeausbildung zu absolvieren. Diese Regelung (gemäß § 7 Abs. 1 Nr.2 AlPflG) gilt NICHT für Absolventen früherer Jahrgänge. Diese Regelung gilt auch für Absolvent*innen der Sozialpflege mit Abschluss in 2020.

Bereits zu Beginn der Ausbildung können Sie sich mit der Wahl Ihrer Ausbildungseinrichtung und des sog. Vertiefungseinsatzes für einen Weg entscheiden. Das hat aber keinen Einfluss auf die spätere Berufstätigkeit. Auch die Entscheidung über das 3. Ausbildungsjahr steht damit nicht von Beginn an fest, Sie können sich im letzten Drittel des 2. Ausbildungsjahres für den finalen Weg entscheiden. Bis dahin hat jede*r Auszubildende bereits alle nötigen Einsatzbereiche einmal kennengelernt und kann sich dann entscheiden, ob er den gewählten Weg weiter beschreiten möchte oder sich noch für eine andere Fachrichtung entscheiden möchte. Ihnen stehen damit alle Wege offen, gleich bei welcher Einrichtung Sie Ihre praktische Ausbildung absolvieren. Die gesonderten Abschlüsse in der Altenpflege und Kinderkrankenpflege werden dann 2026 vom Bundestag evaluiert und dann wird entschieden, ob die Regelung beibehalten oder aufgehoben wird. Kurz: Für welchen Weg werden sich Pflegeschüler*innen künftig entscheiden und lohnt sich die Beibehaltung der Sonderwege?

Was passiert mit Auszubildenden, die im letzten Ausbildungsgang (also Abschlussklasse 2022) „Altenpflege, „Krankenpflege“ oder Kinderkrankenpflege“ die Prüfung nicht bestehen? Angedacht sind hier sog. „Auffangklassen“, die in den jeweiligen Regierungsbezirken schulübergreifend eingerichtet werden sollen. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus.

Gut zu wissen

Die max. Ausbildungsdauer von 5 Jahren gilt auch weiterhin. Das heißt, mit dem letzten klassischen Ausbildungsgang (Start 2019), liegt die letztmalige Abschlussmöglichkeit im Jahr 2024. Um die begonnene Ausbildung zu beenden, können Sie bis zum 31.12.2024 in diesen Auffangklassen Ihre Ausbildung beenden. Näheres regeln die Länder. Wir halten Sie informiert!

Bei der generalistischen Ausbildung ist nach dem zweiten Ausbildungsjahr eine Zwischenprüfung eingeführt. Bei Bestehen der Prüfung kann diese zunächst im Rahmen einer Pflegehelfer- oder Pflegeassistenzausbildung anerkannt werden. Nicht so in Bayern. Hier dient die Zwischenprüfung der Beurteilung der aktuellen Kompetenzentwicklung, was auch die Entscheidung für die Wahl im 3. Ausbildungsjahr beeinflussen kann.