In Deutschland angekommen, in der Pflege zuhause

    Ehemaliger HWA-Schüler bedankt sich für die Unterstützung


    Georgis Kremer, ein ehemaliger HWA-Schüler berichtet über seine Reise nach Deutschland, den Start in ein neues Leben und seine Erfahrung mit der HWA und seinem neuen Beruf als Altenpfleger.

    Hier können Sie sich einen Ausschnitt aus dem Interview mit Georgis Kremer ansehen.

    Georgis Kremer, was hat Sie nach Deutschland gebracht?

    Ich hatte im Irak und im Libanon gelebt und gearbeitet. Aber ich wollte schon immer nach Deutschland. Als die Lebenssituation immer dramatischer wurde, bin ich zu Fuß und mit dem Bus bis in die Türkei und dann weiter gereist. Mein Weg war sehr beschwerlich, aber es gab auch schöne Momente. Einmal habe ich mich zum Beispiel einer Gruppe von Kindern und christlichen Nonnen angeschlossen. 

    Ich kann gut Tiere und Figuren aus Papier basteln, damit habe ich sie und mich abgelenkt. Weil ich mit ihnen gereist bin, konnte ich auch über die französische Grenze kommen. Das war 2010. Nachdem ich Asyl beantragt hatte, kam ich nach Nürnberg in ein Erstaufnahmelager. Da ich Aramäisch, Kurdisch, Arabisch und gut Englisch kann, wurde ich nach kurzer Zeit gebeten, zu übersetzen. Und nach drei Monaten in Deutschland bekam ich eine Aufenthaltsgenehmigung für drei Jahre. 

    Und wie kamen Sie nach München?

    Damals waren schon einige meiner Bekannten nach Deutschland gekommen, dort konnte ich erst einmal unterkommen. Ich habe dann sofort einen Intensivkurs Deutsch belegt und nach sechs Monaten ein Praktikum im Alten- und Pflegeheim Theresianum in Fürstenfeldbruck begonnen. Dort bin ich geblieben.

    Wie kamen Sie auf Altenpflege?

    Ich hatte keinerlei Dokumente, konnte auch keine besorgen. Es ist quasi unmöglich, diese von hier aus zu beschaffen. Ich hatte Hotelkaufmann gelernt, aber hier in Deutschland musste ich ganz von vorne anfangen, ich hatte keinerlei Abschluss in der Hand. Ein Bekannter erzählte mir davon, dass Leute in der Altenpflege gebraucht würden. Im Theresianum wurde ich nach zwei Wochen Praktikum als Pflegehelfer übernommen. Dafür braucht man keine Ausbildung. Dort habe ich zwei Jahre gearbeitet und auch Schüler der Hans-Weinberger-Akademie kennengelernt. Mein Ziel war es, weiterzukommen. Für die zweijährige Ausbildung zum Fachhelfer in der Altenpflege braucht man das Sprachniveau B2. Dafür habe ich ganz schön gebüffelt und konnte das Zertifikat bei der Anmeldung vorlegen. Die Ausbildung konnte ich zwar beginnen, aber dann kam der Schock: Der Schulverwaltung fiel auf, dass ich keinen Hauptschulabschluss vorweisen konnte. 

    Und wie haben Sie dieses Problem gelöst?

    Mir war klar: Um weiter an der Schule bleiben zu können, musste ein bestandener deutscher Hauptschulabschluss her. Also bin ich zu einer der Mittelschulen in Fürstenfeldbruck gegangen, die Leiterin hat mich beraten und gesagt, ich solle es versuchen! Ich habe eine gute Lernmethode, das hat mir geholfen. Ich mache von allem, was ich lese, knappe Zusammenfassungen. Und auch Symbole, die ich mir ausdenke, helfen mir weiter.

    Gleichzeitig habe ich auch noch die Altenpflegeschule besucht, ich habe wirklich nur noch gelernt und wenig geschlafen. Am Tag der Prüfung bin ich anschließend in die HWA gegangen. Die ganze Klasse hatte mitgefiebert. Zuerst sahen sie nur mein erschöpftes Gesicht, aber als sie erfuhren, dass ich bestanden hatte, haben sich alle so sehr mit mir gefreut – das werde ich nie vergessen. Die Ausbildung zum Altenpflegehelfer habe ich zwei Jahre später abgeschlossen.

    Aber damit nicht genug?

    Als nächstes wollte ich mich zum Altenpfleger ausbilden lassen, weil mir die Arbeit großen Spaß machte. Da ich viel Zeit verloren hatte, wollte ich unbedingt die verkürzte Ausbildung machen. Doch die Bedingung für die Verkürzung war ein Realschulabschluss. Daraufhin habe ich beim Schulamt einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung gestellt, der auch genehmigt wurde. 

    Mir hat die Ausbildung riesigen Spaß gemacht und wir haben unglaublich viel gelernt. Immer wieder haben mir auch Schüler aus anderen Schulen getroffen, aber ich finde, die können sich überhaupt nicht mit Schülern aus der Hans-Weinberger-Akademie messen.

    Was ist denn so besonders an der HWA?

    Schüler der anderen Schulen können nicht konkurrieren mit den Schülern von der HWA. Woher ich das weiß? Ich hatte mir selbst so ein Programm geschrieben, für alle Fächer mit insgesamt 400 Fragen zu allen wichtigen Themen. Einige der Fragen habe ich dann immer mal wieder, wenn ich einen Schüler aus einer anderen Schule getroffen habe, abgefragt. Und sie wussten viel weniger als wir. Die Informationen, die wir in der HWA bekommen hatten, waren viel fundierter. Einmal hatte ich mit einem Studenten der Pflegewissenschaft gesprochen, er war sehr beeindruckt von dem Niveau.

    Unsere Lehrer waren wirklich stark. Sie hatten sich immer gut vorbereitet und immer Beispiele genannt. Manchmal, wenn wir eine Frage gestellt haben, haben sie ihr Programm unterbrochen, und sich immer sehr bemüht, uns wirklich alles zu erklären. Wir wurden als Schüler einfach ernst genommen und die Lehrer sind auf unsere Bedürfnisse eingegangen. 

    Vor einem Jahr habe ich meine Prüfung zum Altenpfleger gemacht. Besonders die mündliche Prüfung war mein Ding, ich war gut vorbereitet, da fühlte ich mich Zuhause. Nach der Prüfung traf ich im Gang die Verantwortliche vom Schulamt. Sie schaute mich an und sagte: „Ich war mir hundertprozentig sicher, dass Sie es bis hierher schaffen würden.“ Sie hatte Vertrauen in mich gesetzt und ich habe mir Mühe gegeben, sie nicht zu enttäuschen. 

    Was mich bis heute glücklich macht ist das hohe Niveau, das ich für meine praktische Arbeit mitgebracht habe – das haben meine Vorgesetzten mir immer wieder bestätigt. 

    Was sind für Sie die größten Herausforderungen in dem Beruf? 

    Man müsste in der Altenpflege etwas mehr Geld anbieten, und dann wären viele Probleme weniger brisant in der Pflege. Denn es ist ein tolles Arbeiten, die Menschen geben so viel zurück. Problematisch ist natürlich, dass sich so viele Kollegen krank melden, weil sie überarbeitet sind und der verbleibende Rest dann noch mehr arbeiten muss. Vieles läuft natürlich nicht optimal. 

    Aber ich liebe Stress, positiver Stress ist mein Ding. Und stressige Situationen entstehen immer wieder auf Station. Einmal lag eine Frau am Boden, sie war gestürzt. Gleichzeitig hatte sich eine andere Frau verschluckt und konnte nicht mehr atmen, eine weitere hatte kurz darauf einen Herzinfarkt. Ich war dabei und habe das getan, was erforderlich war, ruhig und besonnen. 

    Für mich als  Flüchtling in einem Altenheim zu arbeiten, war das Beste was ich als Neuankömmling  machen konnte. Plötzlich ist man in einer großen Familie, man lernt die Sprache, man lernt essen, wie die Deutschen essen, man bekommt mit, was geht und was problematisch ist. In einem Altenheim ist man gleich mitten drin. Man bekommt Feedback und lernt sehr schnell. Hier hat man Chancen, die es woanders nicht gibt. 

    Was hat Ihnen am meisten geholfen, sich in dem Beruf und Deutschland einzugewöhnen?

    Wir Menschen im Irak laden gerne zum Essen ein. Gute Gastgeber zu sein ist uns ganz wichtig. Ganz Ähnliches habe ich hier erlebt. So viele Leute haben mir geholfen, zum Beispiel wenn es darum ging, einen guten Bericht zu schreiben oder wenn ich etwas nicht verstanden habe. Ich habe Bewohner, Lehrer und Chefs gebeten, mein Deutsch zu korrigieren. Und alle haben mich unterstützt, das war so schön. 

    Wie geht es bei Ihnen persönlich jetzt weiter?

    Ich bin immer noch dabei, Gas zu geben. Ich kann mir gut vorstellen, Soziale Arbeit zu studieren. Nach drei Jahren Berufserfahrung als examinierter Altenpfleger müsste ich zuvor eine Prüfung machen. Aber auch Stationsleiter oder Pflegedienstleiter könnte ich als Altenpfleger werden. Es stehen viele Wege offen, es ist ein toller Beruf. Auf jeden Fall ist es mir wichtig, nicht stehenzubleiben, sondern immer weiterzugehen. 


    Wir wünschen Georgis Kremer alles Gute für die Zukunft und freuen uns sehr über seine positiven Erlebnisse bei der HWA und über seine Freude an seinem neuen Beruf als Altenpfleger.

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